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Die größten Yoga-Irrtümer

Sadhu

Von „zu spirituell“ bis „nichts für Männer“ – es gibt eine ganze Reihe Irrtümer und Vorurteile zum Thema Yoga. Und wie das eben mit Vorurteilen so ist: Sie kommen meist von Menschen, die noch nie Yoga gemacht haben. Wir greifen hier die größten Mythen heraus. Und wer das für sich überprüfen möchte, ist herzlich zur Probestunde eingeladen.

Irrtum 1: „Yoga ist total langweilig.“

Nun ja. Was langweilig ist und was nicht, ist letztlich Geschmackssache. Man könnte auch sagen: Einstellungssache. Was wir als langweilig, spannend, angenehm oder öde empfinden ist eine Sache der Bewertung. Wir sind wie Bewertungsautomaten: Was wir wahrnehmen, bewerten wir in der nächsten Millisekunde und ordnen es blitzschnell in unser Schubladensystem ein. Wenn es uns gelingt, diese Verkettung zu lösen, können wir einen Blick hinter die Fassade dieser Bewertungen erhaschen. Wir können die Dinge anders betrachten. Wenn Du eine Empfindung bei einer intensiven Dehnung hast – ab wann nennst Du es Schmerz? Und was passiert, wenn Du diese Bewertung getroffen hast? Was verändert sich? All dies kann man langweilig finden oder auch nicht. Probiere es einfach selbst aus – vielleicht entdeckst Du neue Möglichkeiten in Dir.

Irrtum 2: „Yoga ist nur ein Modetrend.“

2,6 Millionen Deutsche üben regelmäßig Yoga, Tendenz stark steigend. Dazu kommt die neue „Achtsamkeitswelle“, die Mandala-Malbücher und Meditationskurse anspült. Auch wenn bei diesen Angeboten grundsätzlich Vorsicht geboten ist – sie zeugen von einem starken Bedürfnis nach Ruhe, Fokus und Qualitätszeit. Singletasking ist das neue Stichwort. Wenn man also diesen Hype abzieht – was bleibt beim Yoga über? Zunehmend gibt es Achtsamkeitsforschung, die zu vorsichtig-positiven Ergebnissen kommt (mehr dazu zum Beispiel hier). Yoga trägt zu physischer und psychischer Stabilität bei, wirkt lindernd bei Migräne, Rückenschmerzen und belebend bei Erschöpfungszuständen. Die zunehmend wissenschaftliche Betrachtung hat aber auch das Verletzungsrisiko bestimmter Asanas gezeigt, etwa dem Kopfstand oder dem Lotossitz. Insbesondere das gut recherchierte „The Science of Yoga“ von William J. Broad räumt mit leeren Heilsversprechen auf und weist neben den positiven Effekten auch auf die Risiken hin.

Irrtum 3: „Yoga ist mir zu soft.“

Yoga gibt es mittlerweile in vielen Geschmacksrichtungen: Power, Flow, Iyengar, Yin … Bei den dynamischen Richtungen wie Power- oder Flow-Yoga läuft der Schweiß, bei ruhigen Formen wie Yin-Yoga kommt es eher zu subtileren Stunden. Hier hat sicher jede und jeder seine Vorlieben, manche halten es eher mit der Power, andere legen Wert auf das längere Ausloten und Wahrnehmen in einer Asana. Doch egal welcher Stil und welches Level: Du hast es immer selbst in der Hand, wie intensiv Du praktizierst. Auch in einer ruhigen Stunde kannst Du Dich an Grenzen herantasten, umgekehrt musst Du in einer knackigen Stunde nicht jedes Tempo mitgehen. Es liegt an Dir.

Irrtum 4: „Ich bin zu steif für Yoga!“

Aha, und zu hungrig zum Essen? Zu durstig zum Trinken? Na, dann ist ja nichts mehr zu machen. Aber im Ernst: Tatsächlich fördert Yoga in hohem Maße die Beweglichkeit, doch muss man nicht besonders flexibel sein, wenn man mit Yoga anfängt. Im Gegenteil: Gerade bei Verspannungen, Blockaden oder Verkürzungen im Bewegungsapparat ist Yoga besonders sinnvoll. Erfahrene Yogalehrer passen die Ausführung der Übung an die Möglichkeiten ihrer Schüler an. Im Iyengar-Yoga etwa werden Hilfsmittel eingesetzt, um die Schüler individuell optimal zu unterstützen und vor Überbeanspruchung zu bewahren.

Irrtum 5: „Yoga ist eine Religion.“

Nein, definitiv nicht. Allerdings kann etwa das Chanten (Singen) von Mantren so anmuten. Kurzer Schwenk zu den Wurzeln: Yoga kommt aus dem hinduistischen Kulturkreis, ist aber keine religiöse Praxis. Die großen Yogalehrer dieses Jahrhunderts waren als Inder auch Hindus und haben die hinduistischen Rituale nicht ausgeklammert. Yoga und Hinduismus gründen sich also in einer gemeinsamem geistigen Heimat, doch ist der Weg der Yoga eine Philosophie und frei von Gottesglauben. Die Yoga-Philosophie beschreibt einen spirituellen Weg und geht weit über das westlich-rationale Denken hinaus. Statt der Logik als Weg der Erkenntnis steht im Yoga die unmittelbare Erfahrung des Einzelnen im Mittelpunkt. Fazit: Yoga kann ein spiritueller Weg sein, ein religiöser Glaube ist es nicht.

Irrtum 6: „Yoga ist nur was für Frauen.“

Nicht wirklich. Eher im Gegenteil: Yoga war über die Jahrhunderte eine rein männliche Domäne in Indien. Nach einer langen Reihe berühmter Yoga-Meister, waren Indra Devi und später Geeta Iyengar eine der ersten bekannten Yoga-Pionierinnen. Sie haben Yoga für Frauen geöffnet und weiterentwickelt.
Aber wieso machen so wenige Männer Yoga? In der Trimm-Dich und Gymnastikwelle der 1970er Jahre entfaltete sich Yoga in der westlichen Welt zu einer weiblichen Domäne, weil Yoga nicht den maskulinen Stereotypen dieser Zeit entsprach. (Wir erinnern uns mit Schrecken an das gleichzeitig boomende Bodybuilding, das – Arnold sei Dank – bis heute männliche Körperbilder prägt). Betrachtet man aber ganz nüchtern die physischen Anforderungen im Yoga, so wird schnell klar, dass auch „Kerle“ hier nicht unterfordert sind. Und die Veränderung ist bereits im Gange. Auch unter Männern sprechen sich die positiven Effekte des Yoga für Physis und Psyche herum. Zwar kommt aktuell in Deutschland nur ein Yogi auf sechs Yogini, doch holen die Burschen auf. Yoga liegt eben – egal ob für Männer oder Frauen – im Trend.
Quelle: Ride OM (Blog)

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